kontrabassus

Geschichte des Kontrabasses

Der Kontrabass ist das tiefste Streichinstrument des Orchesters – und zugleich das Fundament von Jazz, Blues, Rockabilly und Tango. Seine Geschichte ist eine Geschichte von Umwegen: Er stammt aus zwei Instrumentenfamilien, hatte jahrhundertelang keine einheitliche Stimmung und fand erst spät seinen Platz als Soloinstrument.

16.–17. Jahrhundert

Zwischen Gambe und Geige

Die Vorfahren des Kontrabasses sind die großen Bassinstrumente des 16. Jahrhunderts, meist Violone genannt. Bis heute trägt der Kontrabass Merkmale der Gambenfamilie – abfallende Schultern, oft einen flachen Boden und die Stimmung in Quarten – und zugleich Merkmale der Violinfamilie, etwa die f-Löcher und die Schnecke.

Ob der Kontrabass eher eine Gambe oder eine Geige ist, wird bis heute diskutiert. Fest steht: Es gab lange keine einheitliche Größe, Saitenzahl oder Stimmung.

zweite Hälfte 18. Jahrhundert

Der Wiener Kontrabass

In Wien und Umgebung entstand ab etwa 1760 eine eigene Solokultur: ein fünfsaitiger Kontrabass mit Bünden in der sogenannten Wiener Stimmung (F–A–d–fis–a). Für ihn schrieben Carl Ditters von Dittersdorf, Johann Baptist Vanhal und Johann Matthias Sperger Solokonzerte.

Auch Mozart komponierte für einen Wiener Kontrabassisten: Die Konzertarie „Per questa bella mano“ KV 612 hat eine obligate Kontrabass-Stimme. Mit dem Verschwinden der Wiener Stimmung gerieten diese Werke lange in Vergessenheit.

19. Jahrhundert

Die großen Virtuosen

Domenico Dragonetti (1763–1846) aus Venedig machte in London als Solist und Orchestermusiker Karriere; der nach ihm benannte Bogen mit hohem Frosch ist ein Vorläufer des heutigen deutschen Bogens.

Giovanni Bottesini (1821–1889) gilt als „Paganini des Kontrabasses“. Er schrieb Konzerte, Duos und Fantasien, die bis heute zum Kernrepertoire gehören, und war zugleich Dirigent – 1871 leitete er die Uraufführung von Verdis „Aida“ in Kairo.

19.–20. Jahrhundert

Ein Instrument für das Orchester

Im Orchester setzte sich der viersaitige Kontrabass in Quartstimmung durch: E–A–D–G, eine Oktave tiefer notiert als er klingt. Für tiefere Töne gibt es die fünfte Saite (meist H) oder eine C-Verlängerung am Hals.

Franz Simandl (1840–1912), Kontrabassist an der Wiener Hofoper, schrieb eine Schule, die bis heute verwendet wird. Gespielt wird mit zwei Bogenarten: dem deutschen Bogen im Untergriff und dem französischen Bogen im Obergriff, wie beim Cello.

20. Jahrhundert

Der Kontrabass als Soloinstrument

Serge Koussevitzky (1874–1951) war zunächst gefeierter Kontrabass-Solist, bevor er als Dirigent des Boston Symphony Orchestra berühmt wurde; sein Kontrabasskonzert op. 3 wird bis heute gespielt.

Gary Karr (geb. 1941) brachte den Kontrabass als Soloinstrument auf die großen Bühnen und gründete 1967 die International Society of Bassists. In Wien prägte Ludwig Streicher (1920–2003) Generationen von Bassistinnen und Bassisten.

ab den 1920er-Jahren

Jazz: der Puls der Band

Im frühen Jazz übernahm der Kontrabass die Rolle der Tuba – gezupft, oft geslappt. Mit dem Walking Bass, einer durchgehenden Linie in Vierteln, wurde er zum Taktgeber und harmonischen Fundament jeder Band.

Jimmy Blanton (1918–1942) machte ihn im Orchester von Duke Ellington zum Melodieinstrument. Charles Mingus, Ray Brown, Paul Chambers und Scott LaFaro führten diese Entwicklung weiter – bis zum gleichberechtigten Spiel im Trio.

20. Jahrhundert

Blues, Rockabilly, Bluegrass, Tango

Im Blues prägte Willie Dixon (1915–1992) den Klang von Chicago – als Bassist, Songschreiber und Produzent. Bill Black (1926–1965) spielte den geslappten Bass auf Elvis Presleys ersten Aufnahmen und wurde zum Vorbild des Rockabilly.

Im Bluegrass und in der Folkmusik trägt der Kontrabass die Wechselbässe, im Tango die markanten Akzente der Orquesta típica.

heute

Heute: ohne Grenzen

Heute bewegen sich viele Bassistinnen und Bassisten zwischen den Welten: Edgar Meyer zwischen Klassik und Bluegrass, Esperanza Spalding zwischen Jazz, Pop und Gesang. Komponistinnen und Komponisten schreiben neue Werke für Kontrabass solo, im Ensemble und mit Elektronik.

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